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13. Juli 10

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Folgende Weblogs beziehen sich auf "Furchtlose Rede" oder "Anonyme Feiglinge": Warum Kommentatoren ihre Namen nennen sollten:

Kommentare

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Chat Atkins

Von Jonathan Swift über die Verfasser der 'Federalist Papers' bis hin zu 'Wir in NRW' und 'wikileaks' wurden und werden immer wieder Pseudonyme benutzt. Warum nur?

Anonymous

Andererseits: auch anonyme Statements können Wertvolles zu einer Debatte beitragen. Und Kritik ist mE nicht automatisch unbegründet, bloß weil der Kritiker sich nicht näher deklarieren möchte.

cervo

Einleitend ein geklautes Zitat aus einem Kommentar zu einem Online-Artikel in der FAZ:

"Diese leider all zu oft gebrachte Phrase [Anm: Wer nichts zu verbergen hat, der hat auch nichts zu befürchten], basiert auf einem grundlegendem Missvertändnis über die Welt – es wird nämlich unterstellt, dass einem niemand etwas böses will und die ganze Menschheit wie der Staat nur aus gutmütigen Wohlwollenden besteht. In der Realität aber gibt es eine ganze Menge an Kriminellen und Bösewichten, historisch betrachtet sind Staaten die größten Übeltäter – nur eine kleine Minderheit aller Menschen hatte bisher das Privileg staatliche Institutionen zu haben denen sie bezüglich des eigenen Wohlergehens vertrauen konnten.
Der Mensch hat stets eine Menge zu befürchten! Daten zu verbergen ist dabei nur eine der Notwendigkeiten zur persönlichen Gefahrenabwehr."

Den idealisierten Standpunkt der "Rede auf Augenhöhe" verstehe ich wohl. Trotzdem führt die Forderung in eine falsche Richtung. Anonyme Rede muss gesellschaftlich akzeptiert bleiben. Verachtung hat hier keinen Platz.

Zahnwart

Wohl wahr. Vielleicht kann man sich ja auf folgende Konvention einigen: 1.) Auch anonyme Statements können Wertvolles zu einer Debatte beitragen (wie Anonymus bewiesen hat) 2.) Ein guter Debattenbeitrag ist noch keine Kommunikation. Wer kommunizieren möchte, also Rede und Gegenrede erwartet, sollte den Helm abnehmen: Niemand spricht gerne mit jemandem, der im Nebel bleibt.

So etwa?

Torsten

Ich sehe keine generelle Verbesserung der Beitragsqualität wenn es keine halbwegs anonymen Beteiligungsmöglichkeiten gibt. Datensparsamkeit hat hingegen einen Eigenwert, der mittlerweile sogar vom Staat erkannt wurde. So soll man zum Beispiel bei De-Mail Pseudonyme registrieren können.

Vielleicht kann man es auf die alternative Formel bringen: wer persönlich werden will, sollte mit seiner Person dazu stehen. Argumente können hingegen auch durchaus auch ohne die Person auskommen.

Jan Saarmann

Ich sehe keinen Vorteil in der De-Anonymisierung. Wer seinen Namen gebrauchen möchte, kann das tun. Wer nicht, der lässt es eben. Wozu sollte man diese Freiheit einschränken? Prinzipiell ist das Thema nur für strafrechtliche Kontexte interessant und da helfen die Provider bereitwillig. Alles andere ist Humbug. Sogar von Verachtung für die Anonymen zu sprechen ist meiner Meinung nach ziemlich übertrieben. Wer anonym kritisiert, wird leicht ignoriert.

Heinz Wittenbrink

Ich wollte eigentlich vermeiden, einfach zu sagen "Anonymität ist Mist" oder "Anonymität ist super". In vielen Fällen ist Nichtanonymität relativ besser als Anonymität. Z.B. bei Blogs - welche guten anonymen gibt es ?- und ist es ein Zufall, dass sich die Autoren namentlich zu ihnen bekennen? Für mich marginalisieren sich die anonymen Akteure im Netz vielfach selbst. Und die Anonymität begünstigt einfach das simple Abblasen von Wertungen.

Das bedeutet nicht, dass Pseudonyme nicht sinnvoll oder witzig sein könne, und auch nicht, dass man nicht mit Rollen spielen kann/soll.

Außerdem glaube ich, dass Anonymität und Namensverwendung oft aneinander gebunden sind. Man wählt z.B. anonym, weist vorher aber seine Identität nach. Man postet etwas an Wikileaks - aber dort stehen sehr wohl Leute mit ihren Namen für die Seriosität der Quellen gerade. Wer einfach die Anonymität hochhält, ignoriert diese Zusammenhänge.

Mein Ausdruck "Verachtung" bezieht sich auf anonyme Angriffe. Er meint eine moralische Verurteilung, die auch emotionale Qualitäten hat. Ernst Tugendhat spricht von "Empörung".

Heinz Wittenbrink

Der Text ist super: http://www.stilstand.de/archives/1412 . Habe ihn leider jetzt erst gefunden. Aber diese Art von Pseudonymverwendung meine ich nicht, auch nicht anonymes Agieren, wo sich jemand wirklich schützen muss.

Nimue

Ich nutze, seit dem ich im Netz unterwegs bin, immer das gleiche Pseudonym. Und nur das. Als Frau werde ich nämlich ganz sicher nicht Stalkern noch Munition liefern. (leidvolle Erfahrung macht klug). Wenn man mich meinen Pseudonym überall findet, bin ich dann anonym? Habe ich dann gefälligst die Klappe zu halten??

Heinz Wittenbrink

Sorry - aber so werten wollte ich nicht. Ich finde es auch nicht so relevant, ob man seine Netzidentität mit seinem realen Namen oder nicht aufbaut, und ich will sicher nichts verbieten. Für problematisch halte ich anonyme Anschuldigungen, die die Person meinen, nicht einfach online Publiziertes. Umgekehrt kann man, wenn man seine pseudonyme Online-Identität von der im RL, also z.B. in der Politik, trennt, nicht mit beiden gemeinsam agieren; und damit schwächt man sich möglicherweise z.B. im politischen Diskurs.

Roxana Wild

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  • Ich heiße Heinz Wittenbrink. Seit den 90er Jahren beschäftige ich mich mit dem Publizieren im Web. Seit 2004 unterrichte ich am Studiengang Journalismus und PR der FH Joanneum in Graz. Für die Inhalte dieses Blogs bin ich allein verantwortlich.

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