Positive Erfahrungen mit dem Aldiko-Reader für Android und negative Erfahrungen mit Adobes Digital Rights Management für Ebooks:
Ich lese zwar seit Jahren täglich mehrere Stunden im Web, aber ich habe kaum einmal in ein Ebook geschaut. Bücher habe ich mir immer als totes Holz gekauft oder geliehen. Warum? Ich glaube: Vor allem, weil sie auf einem Computerbildschirm so hässlich aussehen. Alles, was Typographen und Buch-Gestalter entwickelt haben, um das Lesen angenehm zu machen, geht bei den Ebooks verloren, und es wird nicht durch andere, webtypische Gestaltungsmittel (die bisher meist primitiv sind, aber jetzt gerade einen großen Sprung machen) ausgeglichen.
Für Ebooks interessiere ich mich erst, seit ich zum ersten Mal einen Kindle und ein iPad benutzt habe. Dort lenkt nicht viel vom Text ab, und die Gestaltung ist buchgemäßer. (Wenn auch die rein buchgemäße Gestaltung wieder nicht zum digitalen Medium passt.) Das erste komplette—allerdings nur 60 Seiten lange—Ebook gelesen habe ich erst jetzt: die digitale Version von Erin Kissanes The Elements of Content Strategy, das mir Eric Eggert vor ein paar Tagen empfohlen hat. Ich habe mich für die digitale Version entschieden, weil ich das Buch sofort lesen wollte. Als Software habe ich den Aldiko-Reader für Android auf meinem HTC Desire Z verwendet.
Monika König hat mich gebeten, von meinen Erfahrungen zu berichten. Was dieses erste Ebook angeht, waren sie positiv. Zwar ist der Bildschirm des Desire klein, aber trotzdem ist es für mich angenehmer, auf dem Mobiltelefon zu lesen als auf einem Computerbildschirm. Nichts lenkt ab, und ich kann den Text wie bei einem analogen Buch mit den Fingern manipulieren. Ich hätte allerdings wohl ein Tablet verwendet, wenn ich es zur Verfügung gehabt hätte. Der Aldiko-Reader selbst ist ausgesprochen benutzerfreundlich—wobei ich nicht sagen kann, welche seiner Features Standard bei mobilen Ebook-Readern sind. Ich finde angenehm, dass man Informationen darüber, wo man sich im Buch befindet, und den Button für das Inhaltsverzeichnis einfach ein- und ausblenden kann. Die Verwaltung der Bücher ist simpel, und man versteht die Software auf Anhieb.
Der Text ist optisch nicht individuell gestaltet, so dass man immer das Gefühl hat, ein offizielles Schriftstück oder die Botschaften eines "Systems" zu lesen. Für mich machen aber ein paar andere Eigenschaften des Ebooks dieses Manko wett—abgesehen davon, dass ich es auf dem Handy leicht unterwegs lesen kann, und dass ich nicht Tage warten musste, bis es mir die Post gebracht hätte:
Ich muss nur mit dem Finger auf ein Wort drücken, um es im Wörterbuch nachzuschlagen.
Ich kann interessante Stellen gleich in Notizen für Blogposts oder andere Texte kopieren.
Ich kann Abschnitte an Web Services schicken (das habe ich bei diesem Buch nur genutzt, um Vokabeln und unbekannte Wendungen an ein Evernote-Notizbuch zu senden, aber ich hätte auch z.B. Zitate twittern können).
Wie erwähnt: Auf meinem Macbook lese ich nicht gerne ganze Ebooks. Zum Arbeiten mit Teilen von Ebooks habe ich mir dort calibre und Adobe Digital Editions installiert. Bei beiden stört mich, dass ich mich mit viel mehr beschäftigen muss als dem Text selbst.
calibre ist eigentlich kein Leseprogramm, sondern eine sehr leistungsfähige freie Software zum Verwalten und zum Erstellen von Ebooks. Welchen Funktionsumfang es hat, zeigen die Frequently Asked Questions. Ein Ebook-Reader ist integriert. Auf das Programm bin ich in dieser Besprechung von ePub Reader Software gestoßen. calibre kann allerdings nur mit DRM-freien Ebooks arbeiten (wenn ich nichts übersehen habe). Ebook-Versionen von Clout - The Art & Science of Influential Web Content und Content Strategy for the Web, die ich mir gleich im Anschluss an Erin Kissanes Buch gekauft habe, kann ich nicht damit lesen, wohl aber mit Aldiko und natürlich mit Digital Editions.
Was mich an diesen DRM-geschützten Ebooks nicht nur stört, sondern ärgert: Auch mit Aldiko und mit Digital Editions kann ich aus ihnen nicht mal ein Wort kopieren. Sie bieten nicht mehr, sondern weniger Funktionen als ein auf Papier gedrucktes Buch. Gibt es einen Ausweg? Ja, aber er ist illegal: Man kann das Adobe-DRM mit zwei einfachen Python-Skripten umgehen. Wie das geht, wird z.B. hier auf Deutsch und hier auf Englisch beschrieben. Man muss dazu Python und PyCrypto (das Python Kryptographie-Toolkit) auf dem Rechner haben1.
Wenn ich es richtig verstehe, verbietet mir das österreichische Urheberrechtsgesetz sogar, eine von mir gekaufte verschlüsselte Datei mit einem Werk für meinen persönlichen Gebrauch auf meinem eigenen Rechner zu entschlüsseln. Das ist nicht nur absurd, es behindert die Nutzung von Ebooks—und zwar vermutlich ohne die Urheber zu schützen, denn die Umgehung ist nahezu trivial.
Aber abgesehen vom ärgerlichen Digital Rights Management: Mir werden Ebooks sympathischer. Auf mobilen Geräten mit Touchscreens sind sie eine Alternative zu gedruckten Büchern—nicht zuletzt, weil man sie viel leichter mit anderen Informationen verknüpfen und in seinen persönlichen Workflow einbauen kann.
python setup.py build und python setup.py install in zwei Schritten hat es aber funktioniert.