Den Titel dieses Posts verdanke ich unserem Rektor, der mich so neulich einem steirischen Politiker vorgestellt hat. Ich weiss noch nicht, ob ich ihn als Dienstbezeichnung verwenden kann. Aber er eignet sich vielleicht als Überschrift für einen Beitrag zu der Blogparade, zu der Alex Stocker und Stephan Wiesenhofer eingeladen haben: Wer sind Österreichs Social Media Blogger?.
Was mache ich mit Social Media?
Ich habe schon ein paar Mal zu diesem Blogpost angesetzt. Ich kann die Fragen dieser Blogparade nämlich nicht beantworten, ohne mich wieder einmal zu fragen, was Social Media überhaupt sind. Und das beantwortet die Frage, was ich mit Social Media mache, wenigstens zum Teil: Ich beschäftige mich (auch) theoretisch, reflektierend mit Social Media, ich frage mich, was sie sind und was an ihnen neu ist. Mit diesen Fragen im Kopf versuche ich, sie an der FH Joanneum zu unterrichten und auch zu erforschen, seit Oktober vor allem im Web Literacy Lab, einer Forschungsgruppe an unserer Hochschule.
Allerdings will ich Social Media nicht erfassen wie ein Astronom einen fernen Planeten, sondern mit der Haltung eines teilnehmenden Beobachters, also wie der Raumfahrer, der den Planeten auch tatsächlich besucht. Und zum Bild des Planeten passt vielleicht auch, dass mich bei sozialen Medien vor allem Grenzen und Grenzüberschreitungen interessieren. Was wird mit sozialen Medien möglich, das es bisher nicht gab? Was lässt sich neu verstehen? Wie kann ich mich neu verstehen? Und auch: Welche Beziehungen und Beziehungsformen lassen sich mit ihnen leben? Ich probiere Social Media aus, wo immer es geht, und lasse mich dabei nicht immer gleich von der Sinnfrage bremsen. Einige Links zu meinen Aktivitäten finden sich in meinen Google-Profil.
Was sind Social Media für mich?
Was verstehe ich unter Social Media? Social Media sind für mich Webmedien, für die drei Dinge charakteristisch sind:
Es gibt keinen Unterschied zwischen Konsumenten und Produzenten, man braucht weder nennenswertes Kapital noch eine Erlaubnis, um sie zu produzieren.
Social Media sind Personen als Autoren zugeordnet, die durch Profile im Web vertreten sind.
Es gibt Präferenzsysteme, z.B. Abonnements, Likes oder Blogrolls, und auch diese Präferenzen sind im Web dokumentiert.
So weit, so trocken, mein Verständnis von sozialen Medien. Sie unterscheiden sich für mich von den Massenmedien oder Broadcastmedien, bei denen wie in der industriellen Produktion ein identisches Produkt, eine identische Botschaft eine Masse von Individuen erreicht, die atomisiert sind und nur statistisch aggregiert werden können. Soziale Medien gehören immer zu Plattformen, die dezentral, von vernetzten Individuen betrieben werden; aus der Kooperation ergibt sich etwas Neues. Andrew McAfee spricht von Emergent Social Software Platforms. Die Inhalte sozialer Medien sind interaktiv, sie werden von ihren Rezipienten verändert und beantwortet, nicht passiv konsumiert.
Wie bin ich zu Social Media gekommen?
Social Media sind für mich ein Teil des Webs, also des hypermedialen Teils des Internets. Ich bin zu ihnen gekommen, weil ich mich für das Web interessiere, und ich habe sie erst langsam als eigenes Phänomen wahrgenommen. Als ich vor vier Jahren nach einem neuen Untertitel für mein Blogs gesucht habe, kam es mir noch etwas komisch vor, auf Deutsch von sozialen Medien zu reden. Inzwischen habe ich oft den Eindruck, dass der Ausdruck mehr verkleistert als er erhellt; ich spreche lieber von sozialen Technologien. (Ich zweifle auch zunehmend an der Erklärungskraft des Konzepts Medien und am Sinn des ganzen Redens über die Medien im Stil McLuhans und seiner Folgen.)
Den Zugang zu den sozialen Medien verdanke ich einer Community. Durch Reaktionen auf mein Blog und durch persönliche Kontakte bin ich ab 2005 langsam in das geraten, was man die österreichische Social Media-Szene nennen könnte. Ein Schlüsselereignis war für mich das erste Wiener Barcamp 2006. Bei diesem BarCamp (und den folgenden) habe ich einige sehr aktive Akteure persönlich kennen gelernt. Durch einen Vortrag von Ton Zijlstra wurde mir zum ersten Mal klar, was Social Media von den Massenmedien unterscheidet: Die People Centered Navigation wurde für mich zur wichtigsten Metapher für soziale Medien, eigentlich ihr Unterscheidungskriterium: Inhalte werden nicht über eine große Menge von isolierten Einzelnen unterschiedlos verteilt, sondern sie werden von Person zu Person weitergegeben. Technik, die virtuelle Präsenz vieler Beteiligter, macht es möglich, dass Information auf diesem Wege genauer weitergegeben und empfangen wird als mit den alten Methoden der Massenmedien. Dieses Weitergeben im Netz von Person zu Person ist für mich das Entscheidende bei sozialen Medien, wobei ich aber das Netz als etwas auch technisch Hergestelltes ansehe, nicht als etwas quasi Natürliches, wie es z.B. auch in einer Dorfgemeinschaft besteht.
Warum bin ich von Social Media begeistert?
Was mich an sozialen Medien begeistert? In erster Linie wohl die Möglichkeiten zum Wissensaustausch, zur Wissenserweiterung und zum Genuss von Wissen—also der Salon-Aspekt von Social Media. Wobei ich Wissen nicht von den Menschen unterscheiden kann, mit denen man es teilt. Meine persönliche Utopie besteht wohl darin, mit diesen Medien gemeinsam Wissen zu erweitern, ohne sich dabei gegenseitig einzuengen. Ich habe das mehrfach erlebt, vor allem bei BarCamps, in Gesprächen mit Studenten und Kollegen oder auch in der Kommunikation mit einer Freundin wie mons7.